Freitag, 23. Oktober 2015

Stadtrundgang durch Lüchow mit Geocaching

Lüchow liegt im Wendland, dort wo die östliche Lüneburger Heide langsam in die Altmark übergeht. Schöne Gegend für einen Kurzurlaub, wir wohnen zwei Tage im Kartoffelhotel Lübeln und cachen in der Umgebung. Laut Geocaching-Karte sind in Lüchow mehr Caches versteckt, als wir in der kurzen Zeit suchen könnten. Mit dem Multi-Cache „Historischer Stadtspaziergang“ lässt sich Dosensuche und Stadtbesichtigung in Lüchow prima verbinden, Dank an die Ownerin dafür.

Fachwerkhaus in Lüchow, überragt vom Amtsturm

Los geht’s am Amtshaus


Ein bisschen Wissen über Stadt und Geschichte bringen wir schon mit, schließlich liegen im Hotel Prospekte aus. Außerdem google ich vor der Reise immer ein wenig, das Listing des Multis gibt weitere Details preis. Gut ausgerüstet ziehen wir also nach dem Sonntagsfrühstück los nach Lüchow. So früh am Morgen können wir aus allen Parkflächen bei den angegebenen Koordinaten den besten Platz aussuchen und steigen neugierig aus dem Cachemobil. 

Schnell ist das historische Amtshaus erspäht. In diesem schlichten Fachwerkgebäude residierten also jahrzehntelang die Landräte des Landkreises. Im benachbarten Gebäude tagte früher das Amtsgericht Lüchow, praktischer Weise befand sich das Gefängnis im selben Haus. Wir notieren die gefragte Hausnummer und ziehen weiter zum Wasserturm.

Überragend - Lüchower Wasserturm

Lüchower Stadtwappen am Wasserturm



Solche Türme faszinieren mich, ich kann wiedermal nicht aufhören zu fotografieren.








Um 1900 gab es etwa 290 Haushalte in Lüchow, die ihr Wasser aus den vier städtischen Brunnen oder privaten Ziehbrunnen bezogen, beziehungsweise direkt aus der Jeetzel schöpften. Elf jahrelang verhinderte das Bürgervorsteherkollegium den Bau eines Wasserwerkes, letztlich siegten die Befürworter und am 16. Oktober 1909 ging der Wasserturm in Betrieb.
Wasserturm Lüchow in der Bergstraße
erbaut 1909, umgebaut 1957

Auf alten Fotos sieht der Turm jedoch ganz anders aus, hatte einen Turmkopf aus rotem Ziegelstein. Kaum 50 Jahre hielt das obere Turmteil, dann musste es erneuert werden. 1957 bekam der Wasserturm Lüchow also ein neues Haupt, das im wesentlichen aus 16 Betonstützen und 400 Betonplatten besteht. Damit ragt er bis heute in den Himmel über Lüchow, an seinem Gemäuer verbirgt sich die Lösung der zweiten Aufgabe des Multicaches.

 Infos zur Bergstraße


Am Wasserturm befinden wir uns ja bereits in der Bergstraße, wo sich eine weitere Zahl für des Rätsels Lösung versteckt. Listing und ein Infoschild am Straßenrand berichten, dass die Bergstraße einst zur „Salzwedeler Koreitz“ gehörte. Übersetzt bedeutet dieser wendische Begriff wohl Hühnerstadt, steht aber auch für Anbau oder Vorstadt. Die zweite Vorstadt Lüchows war die Drawehner Koreitz.

Bergstraße in Lüchow überragt vom Wasserturm



Wir haben die Geocaching-Map auf dem Display. Der nächste Wegpunkt liegt Richtung Altstadt, zudem fällt auf – parallel zur Bergstraße verläuft die Reeperbahn. Davon lassen wir uns nicht ablenken, bleiben zielstrebig auf unserem Weg. 

Das Straßenpflaster sieht ziemlich neu aus, die Häuser sind, meist, alt aber gut in Schuss. An der Bergstraße 54 bleiben wir stehen, die Stufen des Ackerbauerhäuschens sind schnell gezählt, Ergebnis notiert. Es ist Baujahr 1768, offensichtlich hat es also den großen Stadtbrand von 1811 überstanden, oder kamen die Flammen gar nicht bis hierher? Damals sind laut Wikipedia 184 Wohnhäuser und 230 Nebengebäude abgebrannt.





Über die Jeetzel-Brücke gehen


Herbst an der Jeetzel in Lüchow

Genug zur Bergstraße, sie mündet in die Lange Straße, die uns in die historische Altstadt bringt. Bevor wir die Jeetzel-Brücke überqueren, suchen wir vergeblich nach einem Tradi, der irgendwo am Ufer liegen soll. Dagegen sind die Laternen der Brücke leicht zu finden und schon steht eine weitere wichtige Ziffer auf dem Zettel. In der Lange Straße befanden sich schon immer viele Geschäfte und Handwerksbetriebe. Heute sind die Läden geschlossen, statt einzukaufen bestaunen wir ausgiebig Fenstern und Fensterläden, Giebel und Erker und all die andere Zier der Hausfassaden. 

Auf den Spuren der Leinenweberei


Am Marktplatz erwartet uns die nächste Aufgabe. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem weiteren Haus, Lange Str. 75, vorbei, dass den großen Brand überstanden hat. Das nahegelegene Lüchower Rathaus hatte nicht so viel Glück, es brannte ab und wurde bis 1816 neu erbaut.
vor dem Rathaus in Lüchow

Sicher, das schmucke Ratsgebäude ist sehenswert, uns interessieren die bronzenen Leineweberinnen am Brunnen auf dem Marktplatz jetzt mehr. Was symbolisieren sie, warum zieren sie den Platz und was hat Lüchow mit Leineweberei zu tun? 

Meine Recherche ergab Folgendes: 



Das Lüchower Leinengewerbe gab es nachweislich bereits im 14. Jahrhundert und 1865 gilt als sein produktivstes Jahr. In vielen Städten und Dörfern des Wendlands wurde Leinen gewebt, das Lüchower Hausmacherleinen soll besonders beliebt und begehrt gewesen sein. Für die Qualitätsprüfung waren sogenannte Leggen zuständig, die Leinenweberstadt Lüchow war Sitz solch einer amtlichen Prüfstätte.






In dieser Tradition stehen die beiden Figuren am Marktbrunnen. Jungbäuerin und Altbäuerin begutachten das gewebte Leinen, scheinbar eingewebt sind Namen von Ortsteilen Lüchows in denen einst Leineweberei betrieben wurde. Weitere Leinenrollen haben die Damen in einem Korb dabei, wie viel Rollen mögen darin sein?








Ein Hafen in Lüchow


Wir klären auch diese Frage und sollen nun zum ehemaligen Lüchower Hafen gehen. Dieser lag nicht etwa am breiten Fluss, sondern am schmalen Nebenarm Drahwehner Jeetzel. Kaum vorstellbar, dass hier einmal reger Schiffsverkehr herrschte. Den im Listing erwähnten freischwebenden Steg entdecke ich nicht, die gesuchte Zahl schon.

Rund um den Amtsturm








Aus der Ferne haben wir den Amtsturm schon einige Male gesehen, jetzt führt uns die Suche nach dem Cache in den Amtsgarten und direkt zum Turm. 












Dorthin gelangen wir durch die Junkerstraße, im Haus Nr. 7 begann 1854 die Geschichte der Lüchower Sparkasse, heute ist es ein Modehaus. Bald biegen wir in die Burgstraße ein, wo das schmucke, grün-weiß gestrichene Fachwerkhaus der Burgapotheke meine Blicke anzieht. Ihre Geschichte lässt sich bis 1637 zurückverfolgen. Allerdings ging die ursprüngliche Apotheke 1811 mit in Flammen auf, wurde aber recht schnell wieder errichtet.

Jener Brand zerstörte auch das Lüchower Schloss, die Ruine wurde abgerissen, nur der Schlossturm blieb erhalten. Inzwischen haben die Lüchower den Turm fein restauriert und ein Heimatmuseum darin eingerichtet, ganz oben ist eine Aussichtsplattform. 

Wir sind aber zu früh dran, die Pforte ist noch geschlossen. Also betrachten wir das alte Gemäuer von außen, wo eine Infotafel an die Erbauerin des Turmes, Anna von Nassau-Dillenburg, erinnert. 

Der Amtsturm, ehemaliger Schlossturm
des abgebrannten Lüchower Schlosses





Rätselhafte Metallhaken ragen aus den Turmmauern.
Nachgelesen:
Im Falle eines Angriffs hängten die Verteidiger dort Tierhäute auf, die den Aufprall von Geschossen abdämpfen sollten. Flink errechnen wir die, für den Multi benötigte, Quersumme, tragen uns im Logbuch des schnell gefundenen Tradis am Amtsturm ein und gehen weiter.











Suche nach der Lateinschule


Noch eine Zahl, verspricht das Listing, sollen wir bei der Johanniskirche finden, konkret an der Fassade der ehemaligen Lateinschule. Ein Parkweg verbindet Amtsgarten und Johannisstraße und bringt uns schnell zur Kirche. Bis zu diesem Areal reichten die Flammen des Stadtbrandes nicht, so blieb der historische Komplex erhalten. Nachweislich existierte die Johanniskirche bereits 1298, vermutlich aus statischen Gründen musste sie von jeher ohne Kirchturm auskommen. Wir umkreisen die Kirche auf der Suche nach dem 1699 erbauten Gebäude mit der Balkeninschrift „Soli Deo Gloria – Allein Gott Ehre“. Gefunden haben wir es erst bei der zweiten Runde, wir hatten den falschen Blickwinkel.
An der Johanniskirche in Lüchow befindet sich das
Gebäude der ehemaligen Lateinschule


Glockenturm für die Kirche ohne Kirchturm


Früher einmal gab es auf dem Kirchdach einen Dachreiter mit Kirchenglocke, seit dieser entfernt wurde, nutzt die Kirche einen Turm der ehemaligen Stadtmauer als Glockenturm. Zu diesem alten Stadtturm sollen wir jetzt gehen und nach der noch fehlenden Ziffer Ausschau halten. Der Glockenturm steht etwa 100 Meter nördlich von der Kirche. Am Haus Johannisstraße 9 halten wir kurz inne. Darin wohnte seinerzeit der Pastor Carl Gustav Wilhelm Baurschmidt, auf der Gedenktafel wird er als „Luther des Wendlands“ betitelt.
Glockenturm der Johanniskirche Lüchow
Malerei im Glockenturm


Der alte Glockenturm ist fest in die Häuserreihe der Kalandstraße integriert. Seine Durchgänge lassen vermuten, dass der einmal zu einem Stadttor gehörte, so bunt bemalt wie heute war er damals sicher nicht. Nachdem wir die hölzernen Türen gezählt haben, ist die Zahlenreihe komplett. 

Glockenturm und Amtsturm auf einen Blick


Auf dem Weg zum Ziel


Auf einer Bank genießen wir die Oktobersonne und rechnen die Zielkoordinaten aus. Falls alles stimmt, müssen wir am Ufer der Jeetzel entlang gehen, vorbei an der Bleichwiese. Früher legten die Lüchower Hausfrauen auf der Wiese ihre Wäsche zum Bleichen aus. Zudem gab dort bis zum 1. Weltkrieg eine Badeanstalt, wo viele Lüchower schwimmen lernten, getrennt nach Weiblein und Männlein, versteht sich.

Wo liegt die Dose? Cache verschwunden oder haben wir uns verrechnet? Sind wir hier falsch oder haben wir die berühmten Tomaten auf den Augen.

Im Kartoffel Hotel Lüneburger Heide wartet der Koch mit dem Mittagessen, wir brechen die Suche ab. Da müssen wir wohl noch einmal wiederkommen nach Lüchow ins Wendland.


Auf dieser Webseite habe ich viele Informationen und alte Fotos aus Lüchow gefunden. Wer mehr wissen möchte, sollte dort einmal stöbern.






Kommentare:

  1. Hallo, oje das ist ja doof, das ihr ihn nicht gefunden habt. Wir haben uns früher auch auf die Schatzsuche 2.0 begeben und war immer witzig und spannend. Man sieht viel und kommt raus. Irgendwie hat sich das mit der Zeit aufgehört, keine Ahnung warum. Ich hoffe du findest ihn das nächste Mal.
    Liebe Grüße
    Tanja

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  2. Hallo Tanja, wir fahren dieses Jahr noch mal in die Gegend, dann finden wir ihn bestimmt ;)

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  3. Hallo Kathrin,

    schaut doch mal in Schwerin vorbei. Da ich in der Nähe wohne, weiß ich das Schwerin auch sehr schön ist <3

    Danke für deinen echt lieben Kommentar. :)
    Sport ist für mich momentan sehr müheseelig zu machen, aber irgendwie schaff ich das schon <3

    Liebe Grüße, Tenzi

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  4. Danke, Tenzi, für den Tipp, Schwerin steht auch auf meiner Reisewunschliste. Stadtbesichtigungen können auch zur sportlichen Herausforderung werden;)

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