Mittwoch, 6. Mai 2015

3 Tage auf dem Weg zur Zugspitze - Deutschlands höchsten Berg

Start in Grainau - Ortsteil Hammersbach

Eines Morgens 11.00 Uhr im Zugspitzdorf Grainau. Am Parkplatz des Ortsteiles Hammersbach treffe ich mich mit meinen Wanderfreunden. Gemeinsam wollen wir auf die Zugspitze wandern. Wir schultern die Rucksäcke, die mit allem Nötigen und manch Unnötigem vollgestopft sind und laufen los. 


Aufbruch in Hammersbach  zur Zugspitzwanderung

Etwa eine Stunde später liefert uns die Höllentaleingangshütte mit duftendem Kaffee den Grund zur ersten Rast, bevor wir uns in die Höllentalklamm wagen.




Durch die Höllentalklamm

Diese Klamm ist herrlich wild und abenteuerlich. Zwischen den Felswänden ist die Hitze schnell vergessen, Spritzwasser erfrischt uns zusätzlich. Wer an kühleren Tagen ins Höllental kommt, sollte eine Regenjacke anziehen oder wenigstens Wechselsachen dabei haben, denn es spritzt ordentlich.
Steinige, mühsam befestigte Pfade, hölzerne Stufen und elektrisch beleuchtete Tunnel ermöglichen den Weg durch die gewaltige Klamm. 






Unermüdlich stürzen uns die Wassermassen entgegen, Bäche ergießen sich aus der löchrigen Felswand in den ohnehin schon tosenden Hammersbach. Zischend umspült das Wasser gewaltige Felsbrocken, sammelt sich gurgelnd in Gumpen und rauscht dann weiter in die Tiefe. 

Vom Höllental übers Hupfleitenjoch zum Kreuzeckhaus


Eben noch verschluckte der Lärm unsere begeisterten Rufe, doch plötzlich ist Ruhe, die Schlucht weitet sich zum Höllental. Fasziniert bleibe ich immer wieder stehen lege den Kopf weit in den Nacken und staune wie links und rechts die Berge scheinbar den Himmel berühren. So essen die anderen bereits ihren Kuchen vor der Höllentalangerhütte, als ich dort endlich ankomme.


Von hier führt der direkte Weg zur Zugspitze über den Hölltalferner, teilweise über Klettersteige, Stahlstifte (das Brett)  und Leitern - nichts für uns. Statt dessen haben wir einen landschaftlich tollen Umweg von geplant. Hinter der Hütte wenden wir uns also gen Osten und folgen dem Wegweiser zum Hupfleitenjoch und Kreuzeck. 



Blick von oben auf die Knappenhäuser






Wer nach oben schaut, kann bald schon die schmucken Knappenhäuser am Weg erkennen, die einen aussichtsreichen Platz am Hang haben.










Schmal und steil schlängelt sich der steinige Weg am Hang entlang, überquert kleine Bäche und Gräben. Ich bleibe möglichst nah am Berg, vermeide den Blick in den Abgrund und nutze an kniffligen Stellen dankbar die Drahtseilversicherung.

Dann wieder windet sich der Pfad auf bewachsenem Hang im Zickzack aufwärts, während ich noch nach links gehe, läuft über meinem Kopf jemand nach rechts. Dann wechseln wir beide die Richtung, eine gefühlte Stunde lang geht das so. Erschöpft kommen wir am Joch an, die Kalorien des Schokoladenkuchens aus der Höllentalangerhütte dürften restlos verbrannt sein.

Einige bringen noch die Kraft auf um zum Schwarzenkopf zu wandern, wir anderen freuen uns über die lange Rast in 1709 Metern Höhe.

Auf der Kreuzeckalm bietet das Kreuzeckhaus ein Nachtlager


Nun ist die Tagesetappe fast geschafft, nach dem Joch geht es bergab wo im Kreuzeckhaus das Abendessen und Schlafplätze im Matratzenlager auf uns warten.

Am nächsten Morgen - absteigen ins Reintal


Nach dem typischen Hüttenfrühstück geht es weiter. Die schmerzenden Muskeln erholen sich am besten beim Gehen, die Füße haben sich an die Wanderschuhe gewöhnt genau wie der Rücken an den prallen Rucksack. Zunächst gehen wir lange bergab, ins Reintal hinunter. Viele Kehren und lockeres Gestein fordern die ganze Aufmerksamkeit, ab und zu bleibe ich stehen um mich seufzend umzuschauen. 

Nach einem drahtseilgesicherten Abschnitt erreichen wir bei der Bockhütte, den Talgrund und damit den Wanderweg zur Reintalangerhütte, der direkt aus Garmisch-Partenkirchen kommt. Von jetzt an folgen wir diesem, klassischen, Weg in Richtung Zugspitze.



Blaue Gumpe im Reintal


Dieses Bild zeigt die Blaue Gumpe im Reintal, die bei einem gewaltigen Felssturz entstand. Es geschah im Jahr 1991, etwa 5000 Kubikmeter Gestein stürzte auf die Partnach. Die Felstrümmer wirkten wie eine natürliche Staumauer hinter der sich ein malerischer Gebirgssee bildete.









Wenige Wochen nachdem dieses Foto entstand, verschwand die Blaue Gumpe wieder. Sie fiel dem großen Unwetter zum Opfer, dass im August 2005 über den Alpen niederging und auch über der Zugspitzregion wütete.

Rast an der Reintalangerhütte


Blauer Himmel, Sonne brennt, in der Reintalangerhütte ist grad Mittagspause. Ich suche mir einen gemütlichen Sitz-Stein an der Partnach, ziehe Schuhe und Strümpfe aus und halte die Füße ins Wasser.
An der Partnach vor der Reintalangerhütte

Was für ein Klischee: Hier unten die saftig grünen Wiesen, Schatten spendende Bäume, auf der Wasseroberfläche tanzen Sonnenstrahlen, oben kahle, gewaltige Felswände, stellenweise glitzert noch Schnee, und alles wird überspannt vom himmelblauen Firmament. Hier könnt ich bleiben, doch auf uns wartet der Aufstieg zur Knorrhütte und das nächste Nachtlager.

Durch das Brunntal und hinauf zur Knorrhütte


All die Höhenmeter, die wir am vormittag nach unten gingen, müssen wir nun wieder rauf. Am Anfang säumen noch Blumen und Gras den Wanderweg, der nun das Brunntal durchquert über eine grüne Ebene führt und sich am Talschluss teilt. Nach links führt der Felsensteig, er soll leichter sein, wir wählen trotzdem den rechten Weg.

Bäume bleiben zurück, die Latschenkiefern werden immer kümmerlicher, noch blüht der Enzian zwischen den Gesteinsbrocken. Dann haben wir nur noch schroffes Gestein unter den Füßen, umso mehr freuen wir uns über die sensationelle Aussicht. Plötzlich wird der Himmel duster, Donner ist auch schon zu hören. So schnell es geht, wollen wir das ansteigende Geröllfeld überqueren, hasten die, in vielen Kehren angelegte Serpentine entlang und erreichen zusammen mit den ersten Regentropfen die Knorrhütte.

Gut das wir vorbestellt haben, alle Matratzen und Notlager der Knorrhütte sind belegt. Dementsprechend eng und laut ist es im Gastraum, während sich draußen ein kräftiges Gewitter entlädt. Hoffentlich haben alle Wanderer einen Unterschlupf gefunden. Wir schwärmen mit einer Gruppe, die von Ehrwald aus heraufkam, um die Wette. Sie sind von ihrer Route begeistert, doch ich glaube es gibt keinen schöneren Weg, als den, den wir grad gegangen sind.

2051 Meter hoch "hängt" die Knorrhütte am Fels




Die Knorrhütte befindet sich unterhalb des Brunntalkopfes, die Postadresse lautet:

Zugspitzplatt 1
82475 Zugspitze

In der urigen Schutzhütte gibt es 80 Matratzenlager und 28 Zimmerlager, sowie einige Notplätze.


Über das Zugspitzplatt bis Sonnalpin



Das große Frühstück in der Knorrhütte ist karg, darauf sind wir eingestellt und werten es mit mitgebrachten Vorräten auf. Dadurch wird der Rucksack wesentlich leichter. Im Gänsemarsch schnaufen wir den steinigen Pfad zum Zugspitzplatt hinauf, schön dass eine langsame Gruppe vor uns geht. Dabei kann ich die Ungeduld der Nachkommenden spüren, die jede noch so kleine  Chance zum Überholen nutzen. 


Oberhalb der Knorrhütte

Schritt für Schritt kämpfe ich mich hinauf, langsam finden die Füße wieder ihren Rhythmus und die Hütte unter uns wird immer kleiner.



 Wir kommen gut voran, erkennen in der Ferne die Gebäude auf der Zugspitze.

Endlich tauchen vor uns die Station der Gletscherbahn und das Gletscherrestaurant Sonnalpin auf.





Wir befinden uns jetzt 2600 Meter hoch und werden die restlichen Höhenmeter bis zum Gipfel mit der Bahn überwinden. Schade, aber die Bergflanke ist von Eis und Schnee bedeckt und für Wanderer gesperrt.

Erst bei einer späteren Zugspitzwanderung werden wir diesen Weg zum Wettersteingrat hinauf gehen können. Wir werden über Geröll bergan rutschen, uns am Drahtseil festhaltend schmale Wegstellen meistern und in schwindelerregende Tiefen blicken.

Da wir heute die Bahn nehmen müssen, können wir noch Zeit auf dem Platt verbringen, trinken auf der Sonnenterrasse einen Kaffee und besuchen Deutschlands höchst gelegene Kirche Maria Heimsuchung.

Zugspitzkirche Maria Heimsuchung

Der Weg zum Gipfelkreuz ist vereist


Dann fahren wir mit der Bahn hinauf auf den überbauten Zugspitzgipfel und bahnen uns den Weg durch die Menge der Touristen um zum Gipfelkreuz zu gelangen. Das vergoldete Kreuz ist auf dem Ostgipfel angebracht, der über einen schmalen Grat erreichbar wäre. Doch auch dieser Übergang ist vereist, wir müssen uns mit einem Ersatz-Gipfelfoto begnügen.




Bei unserer nächsten Zugspitztour werden wir das Gipfelkreuz dann auch berühren. Auch dann wird der Grat verschneit, aber gangbar sein. Dann werde ich lange zögernd an der kleinen Tür stehen, bis ich meine Höhenangst wieder einmal überwinde und die paar Schritte bis an den gegenüberliegenden Fels gehe.

Doch heute soll es nicht sein, wir betrachten noch eine Weile dieses unvergessliche Panorama bis es unter dichten Gewitterwolken verschwindet. Schnell sind alle Plätze im Bergrestaurant besetzt, denn wenn es auf der Zugspitze blitzt und donnert, möchte niemand im Freien stehen.


Unsere Wanderung geht zu Ende, nach dem Gewitter bringt uns die Gondel der Zugspitzbahn zum Eibsee hinunter. Das ist für mich der unangenehme Teil dieser Tour, ich kauere mich ängstlich auf den Boden und hoffe, dass wir bald und sicher unten ankommen.

Kommentare:

  1. "Dann fahren wir mit der Bahn hinauf auf den überbauten Zugspitzgipfel und bahnen uns den Weg durch die Menge der Touristen um zum Gipfelkreuz zu gelangen."

    Ihr seids mit der Bahn hochgefahren und folglich ebenfalls touristen

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  2. Danke für den schönen Artikel.

    Interessante Idee, erst einmal um die Zugspitze herumzulaufen, um dann hinaufzusteigen – gefällt mir :-)

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  3. Stimmt, Anonymous, wir waren auch Touristen und ich hab nichts gegen Touristen ;), hätte vielleicht das Wörtchen "anderen" noch einfügen sollen.

    Florian, ja der Weg ist das Ziel, wir wollten unbedingt durchs Höllental wandern, aber für den Weg übers Brett sind wir nicht mutig genug. Deshalb haben wir diesen schönen Umweg gewählt ;)

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