Freitag, 10. April 2015

Ausflug an die Unstrut- Nebra früher und heute


Für die Osterfeiertage hatten wir Zimmer in der Jugendherberge Zur Himmelsscheibe von Nebra gebucht. Wo sich heute Feriengäste erholen, wohnten vor 15.000 Jahren Eiszeitjäger. Archäologen gruben die Reste des eiszeitlichen Wohnplatzes aus und fanden dabei auch Kunstobjekte, darunter mehrere Frauenstatuetten. Diese „Venus-Figurinen“ von Nebra sind, genau wie die Himmelsscheibe, im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu bewundern.

Wo einst die Burg stand, lockt heute ein Freibad.



Jener Bergvorsprung war auch Standort der ersten Nebraer Burg, der Altenburg. Davon ist jedoch nichts mehr erhalten, statt dessen lockt heute an dieser Stelle ein schönes Freibad. Mit seinen Liegewiesen und Spielflächen zieht das Terrassenschwimmbad Nebra im Sommer Badegäste aus der ganzen Umgebung an. Zusätzlich zu den Erlebnis- und Planschbecken bietet das Bad ein wettkampftaugliches Sportschwimmbecken. Die Riesenrutsche soll 92,5 Meter lang sein, für Nichtschwimmer gibt es auch eine kleinere Rutsche. Luftsprudel und Strömungskanal machen den Badespaß komplett.

Terrassenschwimbad in Nebra mit Riesenrutsche

Schloss und Schlossruine in der Oberstadt


Unser Quartier bot den üblichen Standard einer Jugendherberge und einen kurzen Weg in die Altstadt. Dazu kam ein herrlicher Ausblick über das Unstruttal und zum Schloss Vitzenburg. Geocaching und Stadtbesichtigung lassen sich auch in Nebra gut verbinden. Wir spazierten zunächst in die Oberstadt, zu Schloss und Schlossruine und spähten nach dem dort, gut, versteckten Cache. Es dauerte ein wenig, bis wir ihn enttarnt hatten, doch wir sahen später auch andere Cacher ziemlich lange suchen.

Irgendwann wurde die Altenburg aufgegeben und die Schenken von Nebra errichteten südlich davon, auf einem Sandsteinfelsen, die Neue Burg. Diese wurde mehrfach umgebaut, schließlich abgerissen und mit einem Schlösschen überbaut. Dessen Wohnturm und andere Reste sind als Ruine noch erkennbar und geben gute Fotomotive ab. Leider konnten wir nicht in die Ruine hinein, sie ist aus sicherheitshalber von einem Zaun umgeben. Erst 1874 ließ der Kammerherr von Helldorf das heutige Schloss erbauen, indem jetzt ein Schlosshotel untergebracht ist.


Die Schlossruine Nebra neben dem Schlosshotel
 "Zur Himmelscheibe"

Heimatmuseum mit Hedwig Courts-Mahler-Zimmer


Übrigens, Nebra ist der Geburtsort der Schriftstellerin Hedwig Courths-Mahler, die mit ihren Liebesromanen berühmt und reich wurde. Ihr ist ein Ausstellungsraum im Heimatmuseum gewidmet. In den anderen Räumen des Museums gibt es Einblicke in die Nebraer Geschichte, hundert Jahre altes Spielzeug, entzückende Weißwäsche und vieles mehr zu sehen.

Sehenswertes in Nebra


Ein Relief am Portal der St. Georgkirche
von Nebra weist auf die Sage vom
Ritter Georg hin.



Obwohl der Kirchturm nicht sehr hoch ist, überragt er die meisten Dächer der Stadt, denn die Kirche steht weit oben. Die Orgel der Kirche stammt aus dem Jahr 1671 und funktioniert noch immer.













Rechts an der Stadtmauer
steht das älteste Haus Nebras


Das Pfarrtor – die kleine Pforte befindet sich an der Stadtmauer der Oberstadt.











Gänseliesel oder Buttenweib? Brunnen
an der "Pfütze" in Nebra


Die freizügig gekleidete Dame am Brunnen „Zur Pfütze“ habe ich gegoogelt und zwei mögliche Namen gefunden. Manche nennen sie Gänseliesel, andere sagen sie erinnert an die Nebraer Buttenweiber:










Bevor es Wasserleitungen gab, schleppten die Hausfrauen das Wasser in, Butten genannten, Holzbehälter aus der Unstrut in die Oberstadt. Später gab es unterhalb der Stadt einen Brunnen, die Buttenweiber trugen das Wasser den Wasserweg hinauf und ruhten sich oberhalb aus. Wenn sie nun rasteten, schwappte Wasser über und bildete Pfützen, so wird diese Stelle bis heute „Zur Pfütze“ genannt. Ab 1815 floss das Wasser dann über eine Wasserleitung bis in ein Holzfass am Marktplatz und machte den Alltag der Frauen etwas leichter. 

Über die Unstrutbrücke zum Bahnhof der Burgenlandbahn


Bahnhof Nebra mit ehemaligem
Wasserturm


Ein weiterer Cache ist am Bahnhof versteckt, der am gegenüberliegenden Ufer der Unstrut liegt. Hier halten die Züge der Burgenlandbahn, die wir bis zur Jugendherberge hinauf hören konnten. Wer zum Fundort der Himmelsscheibe von Nebra möchte, kann bis zum Haltepunkt Wangen die Bahn nehmen. 

Weithin sichtbar ist der ehemalige Wasserturm, er wird heute von Fledermäusen und Vögeln bewohnt.






Zwei solche Löwen aus Sandstein
bewachen den Übergang über die
Unstrut bei Nebra



Lange überspannte eine hölzerne Brücke mit Brückenhäuschen an dieser Stelle die Unstrut. Wir überquerten den Fluss über eine massive Brücke, Bauzeit Ende 19. Jahrhundert, unter den wachsamen Augen der sandsteinernen Löwen.








Radfahren und Wasserwandern


Als Kleinstadt direkt an der Unstrut ist Nebra auch Rast- oder Etappenziel vieler Kanufahrer. Zu Ostern war dieser Wasserwanderer-Rastplatz noch leer, aber sobald es wärmer wird, werden hier wieder zahlreiche Kanuten übernachten. Die Treppe am Bootsanleger macht das Ein- und Aussteigen bequem und wer kein eigenes Paddelboot besitzt, leiht sich ein Kanu beim Bootsverleih Nebra.


Doch auch Radfahrer, die den Unstrutradweg entlang fahren, machen hier gern eine Pause. Wir liefen noch ein Stück auf dem Radweg, bis wir abenteuerlichere Wege gingen. Zwischen Gestrüpp und Bäumen entdeckten die Kinder schmale Pfade, die mehr Spaß machen als der Asphaltweg. 

So stromerten wir langsam den Hang zur Jugendherberge hinauf, ein Cache liegt hier auch. Er ist, so hörten wir, knifflig versteckt und soll in dem Gelände gar nicht so leicht zu heben sein. Deshalb suchten wir nicht im Rudel. Das Versteck war ja nicht weit von unserer Unterkunft entfernt, so gingen wir später einzeln auf die Suche. 

Ausflugsziel Vitzenburg


Blick von der Altenburg Nebra auf
Schloss Vitzenburg

Vom Parkplatz der Herberge aus hatten wir einen verlockenden Blick auf die Vitzenburg. Sie scheint nur einen Steinwurf weit entfernt zu sein, doch die Unstrut versperrt den direkten Weg. Also fuhren wir mit dem Auto in den kleinen Ort gegenüber, denn wir wollen das Schloss, in dem Szenen des Films Bibi und Tina gedreht wurden, gern anschauen. 










Im Schlosshof der Vitzenburg


An der verschlossenen Pforte hing ein Schildchen mit der Telefonnummer des Verwalters(?), der uns aufschließen könnte. Wir riefen an, für einen kleinen Obolus ließ er uns auf das Gelände, das für Bibi Blocksberg zur Burg Falkenstein wurde.








Zerfällt Schloss Vitzenburg langsam, hoch oben über
dem Unstruttal?

Die Vitzenburg blickt auf eine sehr lange, wechselvolle Geschichte zurück und ist sichtlich heruntergekommen. Längst ist sie kein bewohnter Adelsitz mehr, war zwischenzeitlich Ausbildungsstätte und Psychiatrie, für drei Wochen Filmkulisse und wartet nun auf Erlösung. Im Ort Vitzenburg gibt es auch einen Hochseilklettergarten, für den unsere Kinder jedoch zu klein waren (klettern ab 12 Jahre). Glücklicherweise haben sie die Gerüste nicht entdeckt.




Über die Vitzenburg habe ich im Blog Reportagereisen einen unterhaltsamen Beitrag gefunden. Besser könnte ich es eh nicht schreiben, deshalb verlinke ich auf diesen Artikel. 


 Geocaching am Fundort der Himmelsscheibe von Nebra



Nun waren wir schon einmal in Nebra, also wollten wir auch an den Fundort der Himmelsscheibe und zur Arche Nebra. Wir könnten eine Station mit der Burgenlandbahn bis Wangen fahren und dann mit dem Linienbus bis zum Fundort am Mittelberg. Allerdings mussten wir an diesem Tag eh wieder abreisen, deshalb packten wir das Gepäck in die Autos und fuhren bis zum Parkplatz unterhalb der Arche. Eigentlich ist dieser gebührenpflichtig, doch die Schranken waren offen und wir konnten kostenlos parken.

Dreihundert Meter bergauf, dann war das Ausstellungsgebäude auch schon erreicht. Günstige Familienkarten machen den Besuch erschwinglich, der samt Filmvorführung etwa eineinhalb Stunden dauerte.
Arche Nebra im Ortsteil Wangen

Fast genau an der Arche fanden wir den ersten Cache, direkt vor dem Gebäude hält der Linienbus des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes. Gerade rechtzeitig erreichten wir den letzten Bus vor der Mittagspause und fuhren für 1 Euro pro Person zum Mittelberg, wo vor einigen Jahren die Himmelsscheibe gefunden wurde. An der genauen Stelle spiegelt heute das „Himmelsauge“ den Himmel.

Das Himmelsauge auf dem Mittelsberg bei Nebra ist eine
gewölbte Metallplatte am Fundort der Himmelsscheibe.

Über das Plateau waren ja noch mehr Artefakte verteilt, die einzelnen Fundstellen sind mit Betonplatten abgedeckt. Außerdem gibt es mehrere Betonstreifen, die den Sonnenstand zur Sommer- und Wintersonnenwende veranschaulichen sollen. 

Um 10° geneigt, steht der geteilte Aussichtsturm
auf dem Mittelberg bei Nebra. Er wirkt wie der
Zeiger einer großen Sonnenuhr



Allerdings wollen die Kinder erst einmal auf den Turm, wir ja eigentlich auch. Dort oben konnte man den Verlauf der Betonbänder logischerweise viel deutlicher erkennen. Außerdem hatten wir einen herrlichen Ausblick, markierte Sichtachsen lenkten den Blick in Richtung Petersberg, Kyffhäuser und Brocken.















Für den Rückweg zum Parkplatz wählten wir einen Pfad durch den Wald, der von einigen Caches gesäumt war. Sie gehören zu einer Serie Namens „Sterne, Mond und Schätze“ und verkürzten uns den Weg auf unterhaltsame Cacherart. Ein kleines Picknick beendete das Osterwochenende in Nebra.


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