Sonntag, 17. August 2014

Geocaching bildet

Geocaching führt uns an Orte, die wir ohne dieses Hobby nie entdeckt hätten. So geschah es auch während unserer Cacherunde durch Halles südöstliche Randgebiete.

Cachen an der Saale-Elster-Talbrücke






Das Gebiet wird ja, unübersehbar, von der derzeit längsten Eisenbahnbrücke Deutschlands überspannt. Auf einer Länge von rund acht Kilometern überspannt die Saale-Elster-Tal-Brücke die Auen von Saale und Weißer Elster. Bald sollen, in bis zu zwanzig Metern Höhe, über diesen Flutgebieten ICE Züge rasen. Der Brückenbau ruht auf 216 Pfeilern, klar das ein solches Bauwerk die Aufmerksamkeit der Geocacher erlangt. 










Im Bereich „Überleitstelle Osendorf“, man könnte auch Weiche schreiben, liegt also eine Dose versteckt. So lenkten wir unsere Cachermobile dorthin, holperten über, von Baufahrzeugen ramponiertes Gelände direkt unter der Brücke entlang. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht, dachte ich als wir bei den Zielkoordinaten auf eine komfortable Asphaltstraße stießen. Aber gut, jetzt war die Dosensuche wichtig. Koordinaten sagen ja nichts über die Höhe aus, in der der Cache liegt, so kletterten wir, soweit es grad noch sicher war, den Abhang rauf und runter. Nur durch Androhen von Strafe lies sich Schatzi davon abhalten, im Gleisbett zu suchen. Letztlich fanden wir das Objekt unserer Begierde an seriös versteckter Stelle.

Ein Mausoleum im Garten


Ein zweites Kuriosum jenes Tages nennt der Owner „Spuren der Sinti in Halle – das Grabmal“. Spannend, dieser Titel, was mag es damit auf sich haben. Die Dose liegt, so schreibt er, in der Nähe eines Mausoleums, darin ruhen die Gebeine eines von Sinti verehrten Rechtssprechers. Diese kleine denkmalgeschützte Leichenhalle ist wohl das einzige Gebäude, das Sinti in Mitteldeutschland erbaut haben. Da wo sie steht, ist heute Privatgelände, über den Gartenzaun hinweg kann man das Häuschen betrachten. Neugierig hab ich den mitgelieferten Link angeklickt und verblüffendes erfahren.
 http://www.osendorf.de/geschichten.htm

Von Sinti erbautes Mausoleum in Halle(Saale) - Osendorf

Dort, wo heute ein Park mit Spielplatz angelegt ist, existierte einmal ein Friedhof. Diesen Platz hatte sich besagter Rechtssprecher und Sinti-Stammesführer Josef Weinlich, mit Zigeunernamen „Nauni“, für seine letzte Ruhe gewünscht. Der Österreicher überwinterte oft mit seinem Stamm in Osendorf, starb dort 1915 und wurde in dem kleinen Mausoleum bestattet. Neben ihm ruhen, in weißen Kindersärgen, zwei seiner Enkel.
Detailliert ist die ganze Geschichte auf der oben genannten Webseite beschrieben. Das Ganze ist ja noch nicht so lange her und ohne diesen Cache hätte ich vielleicht nie von diesem Stück Ortsgeschichte erfahren. Wer immer sich in diesen abgelegenen Park verirrt, wird kaum die Sinti-Grabstätte kaum beachten. Kein Hinweisschild, keine Gedenktafel, nur ein Geocacher macht darauf aufmerksam. Geocaching bildet.

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